Gott spricht: ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
 Jahreslosung 2016 - Jesaja 66,13

 
GEDANKEN

„Tageserwachen, ein neuer Morgen, und Amsellachen öffnet das Ohr. Dank für das Singen, Dank für den Morgen, Loblieder klingen im Schöpfungschor. Tautropfen zeigen, farbendurchflutet, sich an den Zweigen; Glanz, der sich bricht. Dank für die Blüte, Dank für den Morgen voll deiner Güte, voll Schöpfungslicht.“ (Eleanor Farjeon)

Gefühlt waren die letzten Wochen durchgehend grau in grau und nasskalt. Trüb, unangenehm, melancholisch. Jetzt sitze ich an meinem Schreibtisch, das Fenster ist weit geöffnet und die Sonne strahlt mich an, während ich diese Andacht schreibe und mir das Lied: „Tageserwachen, ein neuer Morgen“ auf den Lippen liegt.

Und auch der Schöpfungschor der singenden Vögel ist endlich wieder zu hören. Und das Schöpfungslicht erinnert mich an Gottes Güte. Dafür bin ich dankbar.

Es ist ja weithin bekannt, dass auf den Winter der Frühling und auf die Nacht der Tag folgt. Aber es zu spüren, zu fühlen und zu riechen ist immer wieder ein Erlebnis, so ein richtiges Erwachen. Ich werde aktiver, fitter, mir gelingt mehr und ich habe dabei ein Lächeln auf den Lippen.

Und was in der Natur, im Jahreslauf gilt, geschieht ja auch in unserem Leben. Es gibt sie, die melancholischen Zeiten – die trüben, nasskalten Abschnitte im Leben. Dann liegt mir kein Lied auf den Lippen. Dann darf ich mich daran erinnern, dass es wieder hell werden wird. Den einen Tag, nachdem es lange in mir trüb war, werde ich nie vergessen. Es war ein schöner Sommermorgen, im Thüringer Wald, in einer Hängematte und auf einmal lachte ich. Das war ein Tageserwachen, nach Wochen ohne Lachen. Auf einmal war da der Schöpfungschor, Glanz, der sich bricht, Schöpfungslicht. Dafür bin ich Gott immer noch und immer wieder dankbar. Dieses „Tageserwachen“ ist für mich wie ein Himmelsschlüssel. Ein Moment, der mir den Himmel aufgeschlossen hat, wo ich erlebte, dass der Weg zu Gott offen ist. „Himmelsschlüssel“ sagt man auch zu den Schlüsselblumen. Sie gehören zu den ersten Frühlingsboten. Noch vor dem ersten Rasenmähen erblühen sie im Dunkel leuchtend gelb. Sie sind ein Symbol für den Frühling und wiedererwachendes Leben und erinnern daran, dass der Himmel offen steht, dass wir zu Gott kommen können wie wir sind.  

Dass wir „Himmelsschlüssel“ in unserem Leben entdecken, einander zu „Himmelsschlüsseln“ werden, mit all den Begabungen, die Gott uns geschenkt hat, das wünsche ich uns. Dass wir erleben, schmecken und riechen können, wie in unserem Leben Frühling wird, wie in unserer Kirche Frühling anbricht.

Auch das Lied kann schon so ein „Himmelsschlüssel“ sein. In der dritten Strophe singen wir:

„Freude durchdringt mich, weckt alle Sinne und sie besingt dich, jubelt und preist. Dank für das Leben – Dank jeden Morgen – mir neu gegeben vom Schöpfergeist.“

Ihr/Euer Pastor Jeremias Georgi

 

 

 

       --- Tageslosung ---